19. 7. 2020

Erinnerungen an Prag während des Krieges

Während dem 2. Weltkrieg gehörte Prag zu den europäischen Metropolen, die mehr Glück hatten. Das Wüten des Krieges wirkte sich nicht großartig auf die Stadt aus, deshalb können wir heute ihre historischen Denkmäler in deren ursprünglicher Form bewundern. Der Krieg hinterließ jedoch auch hier seine Spuren und veränderte zu einem gewissen Maß das Antlitz Prags. Begeben Sie sich mit uns an die Orte, die mit diesem bedeutenden Teil der tschechischen Geschichte eng verbunden sind.

Schießplatz Kobylisy (Kobyliská střelnice)  

Ein interessanter Ort und ein nationales Kulturdenkmal, wo Sie nicht auf viele Touristen treffen, befindet sich am nördlichen Rand Prags. Der Schießplatz Kobylisy ist vor allem als Massenrichtplatz bekannt, wo nach dem Attentat auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich täglich dutzende Menschen hingerichtet wurden. Nach dem Krieg wurde er zu einem Wallfahrtsort und einem Mahnmal des antifaschistischen Wiederstands. Hier können Sie zum Beispiel dem bedeutenden tschechischen Schriftsteller und Dramatiker Vladislav Vančur oder dem Bischof Gorazd gedenken, der die in die Operation Anthropoid involvierten Fallschirmspringer, die ebenfalls unter den Hingerichteten endeten, in der St.-Cyrill-und-Method-Kirche (kostel sv. Cyrila a Metoděje) versteckte.

Denkmal der Operation Anthropoid

Im Prager Stadtteil Libeň, am Ort wo sich am 27. Mai 1942 das Attentat auf Reinhard Heydrich abspielte, steht heute ein neun Meter hohes Denkmal, das an den Mut jener erinnert, die hier an dem schicksalhaften Maitag standen. Das Denkmal befindet sich in der Nähe der Autobushaltestelle Vychovatelna, nicht weit vom Krankenhaus Na Bulovce, wo der Reichsprotektor ein paar Tage nach dem Attentat starb.

Der Heydrichiade in der St.-Cyrill-und-Method-Kirche näherkommen

Direkt nach diesem Ereignis folgte eine Zeit des Terrors, bekannt als die zweite Heydrichiade, an die das Nationaldenkmal der Helden der Heydrichiade in der Krypta der orthodoxen Kirche St.-Cyrill-und-Method-Kirche (kostel svatých Cyrila a Metoděje) in der Nähe des Karlovo náměstí/Platz. Nach dem Attentat im Mai 1942 versteckten sich in der Krypta 7 tschechoslowakische Fallschirmspringer, die hier im Kampf gegen die deutsche Übermacht im Juni desselben Jahres verstarben. 

Zu Wintons „Zügen der Hoffnung“

Der unauffällige Held dieser traurigen Geschichtsperiode, dessen Name eng mit Prag verbunden ist, war Sir Nicholas Winton, dessen Statue Sie am Hauptbahnhof finden, genauer am Bahnsteig 1. Gerade von hier fuhren die sogenannten Winton-Züge los, die tschechische jüdische Kinder kurz vor dem Ausbruch des Kriegs ins Vereinigte Königreich brachten. Diese Hilfe hatte Nicholas Winton organisiert und es war ihm so gelungen, 669 Kinder vor dem sicheren Tod in den Vernichtungslagern zu retten. Eine weitere Erinnerung an dieses Ereignis, von dem die Öffentlichkeit erst viele Jahrzehnte später erfuhr, finden Sie im Durchgang, der zu den Bahnsteigen führt. Eine Replik der Türe eines ursprünglichen Zugswaggons mit Abdrücken von Kinderhänden auf der einen Seite und den Händen Erwachsener auf der anderen Seite symbolisiert die traurige Verabschiedung der Eltern von ihren Kindern. Die Abdrücke erwachsener Hände gehören zwei von Winton geretteten Kindern, die die Entstehung des Denkmals initiierten. 

Tschechischer Rundfunk

Eine Gedenktafel auf der Vinohradská třída erinnert an eine der Episoden des Prager Aufstands, den Kampf um den Tschechischen Rundfunk (Český rozhlas). Dieser dauerte 4 Tage und forderte 170 Opfer. 

Zu Jan Opletal in die Žitná Straße

Auf dem Weg vom Tschechischen Rundfunk zum Karlovo náměstí/Platz, etwa in der Mitte der Žitná Straße, befindet sich eine Gedenktafel, die dem Protest gegen die nationalsozialistische Besatzung vom 28. Oktober 1939 gewidmet ist, bei dem der Medizinstudent Jan Opletal tödlich getroffen wurde. Die Demonstrationen bei seinem Begräbnis am 15. November 1939 mündeten in die Schließung der tschechischen Hochschulen durch die Nazis, die Festnahme der Studierenden und die Hinrichtung von 9 Vertretern von Studierendenorganisationen.

Neue Ikonen Prags

Eine der schlimmsten Kriegsepisoden für Prag war das Bombardement durch die Alliierten am 14. Februar 1945. Die Alliierten-Flugzeuge waren in Richtung Dresden unterwegs, aber durch einen Navigationsfehler wurden die Bomben in der Nähe des Prager Zentrums abgeworfen. Während dem Luftangriff wurde eine Reihe von Gebäuden zerstört und schwer beschädigt, darunter das Emmauskloster. Mitte der 1950er Jahre wurde es repariert, inklusive dem Wiederaufbau der Kirche, deren ursprünglicher, bei dem Luftangriff zerstörter Turm von Betonflügeln mit vergoldeten Spitzen ersetzt wurde, die schon bald ein nicht wegdenkbarer Teil des Prager Panoramas wurden. 

Anstelle eines der Zinshäuser, die den alliierten Bomben zum Opfer fielen, entstand ein weiterer ikonischer Bau. Das Tanzende Haus an der Ecke von Rašínovo nábřeží/Ufer und Jiráskovo náměstí/Platz entstand in den 90er Jahren auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Václav Havel und des slowenischen Architekten Vlad Milunić und ist heute eines der meistfotografierten Gebäude Prags.  

 

Liste der Sehenswürdigkeiten / Orte / Institutionen:

Mehr Informationen und eine Übersicht der aktuellen Maßnahmen zu Covid-19 in der Tschechischen Republik finden Sie hier.